Das Lenkrad dient als Zündschlüssel

Traktoren-Fans trafen sich zur zweiten Oldie-Veranstaltung
134 Schmuckstücke tuckerten beim Korso durch die Remagener Innenstadt
Fahrtüchtige Lanz Bulldog in Mini-Format

Zum zweiten Mal, nach 1999, trafen sich in Remagen Gleichgesinnte, die in Erinnerungen an die guten alten Zeiten der Lanz Bulldog schwelgten. Donnernd, markant und unvergleichlich hallte der Sound alter Motoren während des "Traktor-Oldtimer-Treffens" durch Remagens Straßen.

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Früh übt sich: Dieser Junge versucht sich beim Oldie-Traktoren-Treffen als Trecker-Fahrer.

Die Rheinpromenade glich einer Museumsgalerie, an der neue rote, grüne und hellblaue Lacke alte Traktoren schmückten und im Sonnenlicht funkelten. 134 historische Dieselrosse nebeneinander gereiht, boten einen majestätischen Anblick, der vor allem Männerherzen höher schlagen ließ. Aus allen Himmelsrichtungen kamen die Aussteller angereist: aus dem Westerwald, von der Untermosel, der Eifel, dem Rhein-Sieg-Kreis und natürlich auch aus Bad Neuenahr-Ahrweiler, Remagen und Sinzig.

Obgleich das Motto – im Rahmen der 2000-Jahr-Feier –"2000 PS und mehr" lautete, sieht die Realität doch so aus, dass viele der schmucken Ein-Zylinder teilweise nur 15 oder 20 Pferdestärken auf die Straße bringen. So lässt sich auch erklären, warum die Teilnehmer aus dem Westerwald den ganzen Tag für die Anreise benötigten, um am späten Samstagnachmittag braungebrannt die Veranstaltung zu erreichen.

Doch für Lanz Bulldog- oder Hanomag-Fahr-Liebhaber – und wie sie alle heißen – ist kein Weg zu weit, wenn es darum geht, einem Oldtimertreffen beizuwohnen. Keine Mühe wird gescheut, um die unverwüstlichen Arbeitsgeräte von einst dorthin zu bringen, wo unter Profis gefachsimpelt wird.

Dabei ist auch das Sehen und Gesehenwerden ein wichtiger Aspekt. Oder sollte es richtiger heißen: Hören und gehört werden? Denn der Sound sei genauso wichtig wie gutes Aussehen sagte ein Aussteller und gab Gas. Der dumpf blubbernde Motorenklang dröhnte ohrenbetäubend in der begeisterten Zuschauermenge.

Einige Lanz-Bulldog-Besitzer trugen abends die schweren Traktorenlenkräder an einen sicheren Ort. Wie sie erklärten, dient das Lenkrad der alten Zugmaschinen als "Zündschlüssel". Und den zieht ja bekanntlich jeder Autofahrer beim Parken ab.

Die Technik sei ganz simpel: Nach dem Vorglühen des Glühkopfes, mit Hilfe einer Lanz-Glühlampe, kommt das Lenkrad der alten Modelle aus den 30er Jahren als Kurbel zum Einsatz. Eine kräftige Drehbewegung bringt den Motor zum Laufen.

Ein nicht ganz ungefährliches Unternehmen für den, der sich unroutiniert an die Maschine wagt, erklärt Roman Runkel, passionierter Lanz-Bulldog-Fan und -Sammler aus Bad Neuenahr-Ahrweiler. Auch hier schwingt in jedem Wort Begeisterung über die einfache und robuste Technik mit.

Noch außergewöhnlicher als die historischen Original-Ausstellungsstücke muteten zwei Modelle im Maßstab 1:2,2 – also "Kindergartengröße" an. Wolfgang Schüttler aus dem Westerwald stellte einen Lanz Bulldog und einen Zettelmeyer aus, beide originalgetreu nachgebaut von Dieter Wilhelmi aus Taunusstein-Hahn.

Die Modelle sind fahrtüchtig und in ihrer Statur einzigartig. Kaum ein Junge, der vorüberging und nicht wenigstens einmal in einem "echten" Lanz sitzen wollte ...

Beim Oldtimer-Korso, der am Sonntag durch die Remagener Innenstadt führte, präsentierten sich zirka 60 tuckernde, auf Hochglanz polierte Traktoren. Die bunte und vor allem geräuschvolle Schaustellung wurde von Verkehrsamtsleiter Martin Tillmann moderiert. Vor, während und nach dem Korso klönten sie wieder, die Oldie-Experten. An der Rheinpromenade erklang Musik von der Bühne, während unter den Spezialisten Fotos von Restaurationen rundgereicht wurden. Interessant war es, den Geschichten von früher zu lauschen. Einige erzählten von der Zeit, da die Traktoren noch im Einsatz auf dem Feld der Familie ihren Dienst taten. Heute gelten die schweren Zugmaschinen hauptsächlich als Liebhaberstücke.

Quelle: General-Anzeiger Bonn vom 28. August 2001 / Text: Claudia Görres

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